Familientag Hundhausen 2025
Limburg an der Lahn, 4. bis 6.4.2025
Am Samstag nach dem Frühstück tagten wir im Hotel Nassauer Hof, siehe dazu das Protokoll von Henner Hundhausen und die Übersicht über den Kassenstand von Frank-Reinhard Bartsch. Erfreulicherweise waren diesmal mehr Mitglieder gekommen als zum Vorjahrestreffen.
Mittags fanden sich die meisten von uns unterhalb des Domes an der Lahn in der ehemaligen Obermühle ein, wo man gut essen konnte. Das Mühlrad ist noch vorhanden und wurde gerade von einem Installateur gewartet.
Nachmittags um ½ 4 wurden wir am Nassauer Hof zur „erweiterten Altstadtführung“ abgeholt. Gleich hinter dem Hotel befindet sich der ehemalige Wirtschaftshof des Klosters Eberbach, über den die Mönche im Mittelalter ihre landwirtschaftlichen Produkte verkauften, denn sie beteten nicht nur, sondern arbeiteten auch nach der Benediktsregel „Ora et Labora“. Die fast 700 Jahre alte Kapelle des Hofes gehört heute der Evangelisch Lutherischen Sankt Johannes-Gemeinde und wurde von ihr sehr schön restauriert. Die Limburger Altstadt überstand den Zweiten Weltkrieg unzerstört und ist voller prächtiger Fachwerkhäuser. Ein sehr schönes Exemplar, das Haus „Römer 2-4-6“ von 1289, ist eines der ältesten Familientag Hundhausen Limburg an der Lahn, 4. bis 6.4.2025 freistehenden Fachwerkhäuser Deutschlands mit mehreren Stockwerken und einem imposanten Gewölbekeller, unter dem sogar noch eine Mikwe, ein jüdisches Kultbad entdeckt wurde. Eine Besonderheit des Fachwerks in Limburg sind die sogenannten Hallenhäuser, die im Erdgeschoß eine große und sehr hohe Halle haben, die von Kaufleuten für ihre Waren genutzt wurden. Manche Häuser haben Wellengiebel, andere Neidgesichter und Schreck köpfe, die böse Geister abwehren sollten. Besonders zu erwähnen ist das „Haus der sieben Laster“, das am Sockel unter dem ersten Stock geschnitzte Köpfe aufweist, die die biblischen Laster Hochmut, Neid, Völlerei, Geiz, Wollust, Zorn und Faulheit darstellen sollen.
Früher führte die alte Handelsstraße von Köln nach Frankfurt direkt durch die Limburger Altstadt. Die engste Stelle befand sich in der Fahrgasse. Am Heumarkt in Köln wurde übrigens in der Herberge der Fuhrleute auf diese Engstelle hingewesen. Trotzdem kamen oft überladene Wagen nach Limburg, die dann vor der Enge ent- und dahinter wieder beladen werden mußten, eine Einnahme quelle für die Limburger „Säcker“. Ein Stück weiter bergab trifft man auf den Hundhausen Zeitung 2025 6 Familientag Hundhausen Walderdorffer Hof, einen Adelspalast aus der Renaissance. Davor drehen sich „Die Tanzenden“ vor Freude über das Ende der Pest in Limburg im 14. Jahrhundert. Die Plastik wurde 1991 von Karlheinz Oswald geschaffen. Nach wie im Fluge vergangenen zwei Stunden endete die Führung an der Stadtkirche, dem ehemaligen Franziskanerkloster. Äußerlich eine bescheidene Kirche ohne großen Turm zeigt sie im Inneren eine schöne, nicht überladene Barockausstattung.
Am Sonntag ließen wir uns von einer der „Schwestern der geistlichen Familie“ – so der Name des Ordens – den Limburger Dom erklären. Auf seinem Felsen über der Lahn ist er nicht zu übersehen, wenn man auf der Autobahn 3 vorbeifährt. Er leuchtet geradezu in weiß und rostrot, so wie er im Mittelalter auch ausgesehen haben soll. Seine Geschichte fängt mit dem Grafen Konrad Kurzbold an, dem Anfang des 10. Jahrhunderts der letzte karolingische König Ludwig das Kind Land schenkte, verbunden mit dem Auftrag, auf dem Berg an der Lahn eine Kirche zu bauen. Der jetzige Dom stammt von Ende des 12. Jahrhunderts und ist im unteren Bereich spätromanisch, nach oben zu aber schon frühgotisch. Es gibt viele, Hundhausen Zeitung 2025 7 teils sehr alte, gut erhaltene Fresken. Die Stiftskirche wurde in den 1820er Jahren mit der Erhebung Limburgs zum Bistum zur Domkirche. Die größte Stadt des Bistums ist Frankfurt am Main. Limburg geriet in die Schlagzeilen, als auf den sehr bescheidenen und beliebten „Bischof der Armen“ Franz Kamphaus der junge Franz-Peter Tebartz-van Elst folgte. Sein Neubau einer bischöflichen Residenz wurde von der Presse als zu luxuriös gebrandmarkt. Letztendlich ersuchte er um seinen Rücktritt, der vom Papst auch gewährt wurde. Die neue Bischofswohnung ist architektonisch modern und gelungen und beherbergt heute als Teil des Diözesanmuseums Ausstellungsräume. Meiner Ansicht nach ist der Bau nicht überdimensioniert oder zu prächtig für eine Bischofsresidenz. Der größte Schatz des Museums ist die sogenannte „Staurothek“ oder Kreuzlade, ein über 1000 Jahre altes Behältnis für eine Reliquie mit einem Stück des Kreuzes von Golgatha. Ganz abgesehen davon, welche Meinung man zu solchen Reliquien hat, ist die Staurothek ein großer Schatz der frühmittelalterlichen Kunst!
Limburg und sein Fachwerk
Die Fachwerkbauweise hat Geschichte,
man gerne vor den Bauwerken berichte.
Beeindruckend die Zahl der Jahre,
es ist die Baukunst, die wahre;
die Balken werden vom Material umschlungen,
haben auch mit manchem Feuer gerungen.
Vom Keller bis Dachstuhl sinnvoll konstruiert,
die Bauherren sie mit Farbe gestrichen und kreiert,
unten schmal, in der Höh und Breite keine Grenzen,
im Dachstuhl gute Geister machten Tänzchen.
Ein Dank an alle Handwerker und Erbauer!
Es ist Baukunst für Jahrhunderte -
waren sie nachhaltiger, gar schlauer?
Ulrike 05.04.2025